Weihnachten auf hoher see

Weihnachten auf hoher See ist eine Langspielplatte, die ich als Kind liebte. Der Sänger Freddy Quinn war in den 60zigern sehr bekannt.

 

Meine Eltern und mein Bruder konnten die Lieder schon nicht mehr hören.

„Muss sie jetzt schon wieder diese Platte spielen?“ fragte mein Bruder.

„Lass sie doch, sie ist doch noch klein“, erwiderte meine Mutter.

„Ich hab die Lieder so satt“, stöhnt er.

Ich war halt das Nesthäkchen.

 

Es war nicht nur die Musik. Gebannt lauschte ich den Erzählungen zwischen den Liedern. Es wurde von Seemännern gesprochen die weit, weit weg auf hoher See waren.

„Wieder sind wir auf hoher See. Das Meer ist ruhig, es ist Heilige Nacht. Nur die Sterne begleiteten uns. Unter Deck schmücken sie gerade den Weihnachtsbaum“, berichtete Freddy.

 

Nach dem Lied „Oh du Fröhliche“  kamen Durchsagen über Funk an die Seemänner. Eine Mutter sagte: „Frohe Weihnachten Jürgen, hier ist der erste Schnee gefallen. Ist es bei Euch auch so kalt?“ …und Ute die ihren Verlobten auf hoher See grüßte. „Tausend Küsse Peter bald bist du ja wieder hier.“

 

Gedanklich sah ich ein Schiff mit Seemännern, die um einen leuchtenden Tannenbaum saßen und traurig ihre Weihnachtslieder sangen. Die Sterne strahlten im nachtschwarzen Himmel. Die Männer wünschten sich nichts sehnlicher als bei ihren Familien zu sein.

 

Ich fragte: „Mutti, ist das echt so, dass die Männer ganz alleine sind? Ohne ihre Familie?“

„Ja bestimmt. Es gibt viele Menschen die an Weihnachten alleine sind“.

 

Am besten gefiel mir nach dem Lied „Weihnachten im Hafen“, dass in verschiedenen Sprachen Weihnachtsgrüße gesendet wurden. „Mama, was ist das für eine Sprache? Ist das englisch und das… ist das italienisch“?

 

Ich glaube alle waren froh als ich dem Alter entwachsen war und Freddy nicht mehr zu meinen Favoriten zählte.

 

Autor: 02.03.2016 Helga Sättler