Kurzrückblick in mein halbes Jahrhundert

 

Ich hatte in meiner Kindheit einen kuschligen Mantel mit viel Liebe und Geborgenheit. Meine Eltern und auch mein fünf Jahre älterer Bruder legten ihn um mich. Ich bin das Nesthäkchen.

 

Auch wenn mein Bruder Michael und ich oft stritten, wenn es Probleme gab, hielten wir doch zusammen.

Als ich älter wurde, waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen meiner Mutter und mir hauptsächlich wegen der Hausarbeit.

Sie sagte oft: „Du bist ein Mädchen und solltest kochen und waschen können.“

„Wozu denn? Das brauch ich nicht“.

„Wenn du mal heiratest und Kinder bekommst, musst du das können“.

„Wer sagt denn, dass ich das muss?“, erwiderte ich genervt.

 

Als ich zu pubertieren begann, wurde es noch schlimmer. „Du kannst das Geschirr abtrocknen und den Abfall raus bringen“.

„Wieso denn immer ich? Das kann Michael auch mal machen.“

„Er ist ein Junge, da muss man den Haushalt nicht beherrschen.“

„Wieso muss ein Junge das jetzt nicht können? So ein Schmarrn.“

„Weil er mal eine Frau bekommt, die das dann macht.“

„Du bist so altmodisch.“

 

Mit der Zustimmung meines Vaters und Begleitschutz meines Bruders durfte ich mit 15 in die Disko gehen.

Mein Vater sagte: „Wenn sie dich einmal erwischen und mit der Polizei nach Hause bringen ist es vorbei mit fortgehen“.

Mein Bruder und ich gingen zwar gemeinsam aus dem Haus und anfangs auch in dieselbe Disko, aber jeder hatte mit der Zeit seinen eigenen Freundeskreis. Später kam es öfter vor, dass ich in der Früh zu Hause eintraf und mein Bruder schon im Bett lag.

 

Mit 19 lernte ich meinen ersten festen Freund kennen. Meine Eltern, vor allem mein Vater, waren enttäuscht. Ich brachte einen „Mischling“ nach Hause. Sein Vater war ein GI.

Manfred hatte eine eigene Wohnung und ich zog schnell bei ihm ein. Gerade mit Fleiß. Ich ließ mir doch nichts verbieten. Mein Vater wollte nicht mehr mit mir reden.

„Was werden die Nachbarn sagen. Meine Tochter mit einem Schwarzen.“

„Ja und das ist auch ein Mensch. Mir doch egal. Ich mag ihn.“

Meine Mutter rief mich oft an und vermittelte zwischen meinem Vater und mir. Durch ihr Zutun akzeptierte er Manfred schließlich und wir gingen ein und aus bei Ihnen.

 

Die Beziehung endete nach 2 Jahren. Ich rief meine Eltern an.

„Mutti kann ich wieder nach Hause kommen? Mit Manfred ist Schluss.“

„Na klar, wir holen dich ab. Ich ruf deinen Bruder an. Er soll mit seinem Auto kommen und wir packen alles ein.“

Als ich wieder bei ihnen eingezogen war, meinte meine Mutter:“ Wir haben uns so an Manfred gewöhnt und es jetzt ist Schluss.“

 

Kurz darauf lernte ich in der Firma Wolfgang, meinen jetzigen Mann kennen. Der übrigens auch sehr gut kochen kann. Was ich meiner Mutter heute noch aufs Butterbrot schmiere.

„Und wer muss kochen lernen? Immer hast du geschimpft mit mir und wer kocht jetzt?“

„Hast ja recht, aber auch Glück gehabt mit deinem Wolfgang.“

Mein Vater hat zu Lebzeiten immer gesagt: „Den haben wir gut geheiratet, unseren Wolfgang.“

 

Ich habe sie mir gut ausgesucht, meine Familie. Dort oben wo der Lebensfaden gesponnen wird. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Autor: 04.12.2016 Helga Sättler 

Ich mit Luftballon vom Plärrer.

Mein Bruder und ich in der Parkanlage am Lech.